Claude-Reihe · Folge 1
PDF mit KI zusammenfassen: aus 19 Seiten ein Handout
Kurz beantwortet
„Fasse das zusammen“ liefert eine Inhaltsangabe für niemanden. Brauchbar wird es erst mit drei Angaben: Zweck, Zielgruppe, Format. Und bevor das Ergebnis irgendwohin geht, lässt du dir Belegstellen nennen und schlägst eine davon im Original nach. Mehr ist es nicht.
Neunzehn Seiten Amtsdeutsch, und nächste Woche sollst du fünf Leuten erklären, wie das geht. Selbst wenn du die Zeit hättest, alles zu lesen – du müsstest es danach immer noch übersetzen. Genau das nehmen wir hier Schritt für Schritt auseinander, an einem Dokument, das du mitbekommst.
Diese Folge setzt voraus, dass du ein Claude-Konto hast. Falls nicht: Das dauert drei Minuten und kostet nichts – Folge 0 zeigt es Schritt für Schritt. Wer schon drin ist, liest einfach weiter.
PDF mit KI zusammenfassen: Aus 19 Seiten ein Handout
Der ganze Weg am echten Dokument – inklusive des Prompts, der nicht funktioniert.
Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen. Dabei erfährt Google deine IP-Adresse. Vorher passiert nichts. Direkt auf YouTube ansehen
Das Übungsdokument
Damit du exakt mitmachen kannst, statt zuzusehen. Es ist ein frei erfundener Behördenleitfaden – 19 Seiten, zehn Kapitel, echtes Amtsdeutsch, aber kein einziger Satz davon gilt irgendwo.
Leitfaden zur Durchführung einer Vereinsveranstaltung
Fiktives Übungsdokument · 19 Seiten · PDF, rund 170 KB. Kein Konto, keine E-Mail-Adresse, keine Anmeldung.
Dient ausschließlich Schulungszwecken und ist keine Rechtsauskunft. Weitergeben ausdrücklich erlaubt – genau dafür wurde es geschrieben.
Warum ein erfundenes Dokument und nicht ein echtes? Drei Gründe, und der letzte ist der praktische: Ich darf es dir geben. Bei einem echten Leitfaden prüft man beim Zusehen den Inhalt statt der Methode. Und niemand handelt versehentlich danach.
Wenn du dein eigenes Dokument nehmen willst: nur zu. Die Betriebsanleitung, die Versicherungspolizze, das Schulskript – das Vorgehen ist dasselbe. Achte nur darauf, was in der Liste der heiklen Unterlagen steht.
Hochladen – und der häufigste Anfängerfehler
Neuen Chat öffnen, auf die Büroklammer unten am Textfeld klicken, das PDF auswählen. Es erscheint als Kachel über der Eingabe. Das war der ganze technische Teil.
Zwei Dinge, die an dieser Stelle immer gefragt werden:
- Wie viel geht hinein? Deutlich mehr, als du erwartest – mehrere hundert Seiten sind kein Problem. Neunzehn sind für Claude eine Kleinigkeit.
- Was passiert mit der Datei? Sie geht zum Anbieter und hängt an diesem Gespräch. Bei einem erfundenen Leitfaden ist das egal. Bei einer Personalakte nicht.
Und jetzt der Fehler, den fast alle machen:
Was zurückkommt, ist nicht falsch. Es ist nur nichts wert: eine Inhaltsangabe für niemanden, mit der man nicht vor eine Gruppe treten kann.
Der eigentliche Grund, warum Leute sagen „KI bringt mir nichts“
Es ist selten die KI. Es ist diese Art von Frage. Claude weiß nicht, wofür du das Ergebnis brauchst – also rät es. Und was geraten wird, wird Durchschnitt. Die Lösung steht im nächsten Abschnitt.
Zweck · Zielgruppe · Format
Drei Angaben, aus denen ein Auftrag wird statt eines Achselzuckens:
- Zweck – wofür brauchst du es?
- Zielgruppe – wer liest es?
- Format – wie soll es aussehen?
Bau sie nacheinander ein, dann siehst du bei jedem Schritt, was sich ändert. So sieht der fertige Prompt aus:
Der letzte Satz ist der wichtigste. Er ist die Bremse gegen erfundene Antworten. Ohne ihn füllt Claude Lücken still auf – mit ihm sagt es dazu, dass eine Stelle im Dokument nicht eindeutig ist. Diesen einen Satz nimmst du in jeden Prompt mit, der auf einem Dokument aufsetzt.
Am Übungsdokument fällt dabei etwas auf, das kein Zufall ist: Die Reihenfolge im Dokument ist nicht die Reihenfolge, in der man es tut. Die Anmeldefrist – in der Praxis der erste Schritt – steht in Kapitel 6 auf Seite 17. Genau deshalb ist Selberlesen hier so mühsam, und genau das nimmt einem die Maschine ab.
Stimmt das überhaupt?
Der Teil, den die meisten Videos weglassen. Ohne ihn hast du einen hübschen Text, von dem du nicht weißt, ob er stimmt.
Und jetzt der entscheidende Handgriff, der zwanzig Sekunden dauert: Schlag eine der Stellen tatsächlich nach. PDF öffnen, Strg + F, Zitat suchen, Seitenzahl vergleichen. Eine reicht meistens, um zu merken, ob du dich darauf verlassen kannst.
Dann die Gegenprobe – etwas fragen, das im Dokument gar nicht steht:
Im Übungsdokument sind Gebühren zwar mehrfach erwähnt, aber nie beziffert. Achte darauf, was Claude jetzt tut – und ob es sauber trennt.
Daraus folgt eine Regel, die nichts kostet: Für alles, was rausgeht, eine Stichprobe im Original prüfen.
Aus einem Schritt wird ein Aushang
Jetzt der befriedigende Teil – vom Text zum fertigen Ding. Der Chat kennt das Dokument und deine Anforderungen bereits, du musst also nichts wiederholen:
Kopieren, in Word einfügen, fertig. Aus neunzehn Seiten ist eine geworden, die man jemandem in die Hand drücken kann. Wie so ein Blatt aufgebaut sein muss, damit es auch wirkt – Länge, Schriftgröße, Quellen –, steht in der Anleitung zum Handout.
Jetzt du
Deine Aufgabe
- Nimm ein eigenes PDF – egal welches, solange nichts Heikles drinsteht.
- Frag mit Zweck · Zielgruppe · Format und dem Satz gegen das Erfinden am Ende.
- Lass dir Belegstellen geben und prüf eine davon im Original.
Nicht „mach ich später“. Fünfzehn Minuten mit deinem eigenen Dokument bringen mehr als drei weitere Anleitungen von mir.
Drei Dinge zum Mitnehmen
- „Fass das zusammen“ ist keine Frage, das ist ein Achselzucken.
- Zweck, Zielgruppe, Format – damit wird aus dem Achselzucken ein Auftrag.
- Bevor irgendwas rausgeht, prüfst du eine Stelle im Original. Eine reicht meistens.
Und wenn du jetzt denkst: schön, aber ich will nicht bei jedem Dokument von vorne anfangen – genau darum geht es in Folge 2. Da bekommst du einen Assistenten, der dein Thema schon kennt und dem du das nicht jedes Mal neu erklären musst. Die Folge ist in Arbeit; sie taucht auf der Übersicht der Reihe auf, sobald sie da ist.
Bis dahin: Wie ein Handout aufgebaut sein muss
Der Text ist jetzt da – aber ein Handout ist mehr als ein gekürzter Text. Aufbau, Länge, Schriftgröße, Quellenangaben und die Fehler, die man auf den ersten Blick sieht.
Zur Anleitung →
RK