Phishing-Mails erkennen: fünf Punkte, die immer funktionieren

Kurz beantwortet: Ist diese E-Mail echt?

Sieh dir die Adresse hinter dem Absendernamen an, nicht den Namen selbst – und das Ziel hinter dem Link, ohne zu klicken. Steht dort etwas anderes als die Domain des Unternehmens, ist die Sache erledigt. Kommt dazu Zeitdruck und eine unpersönliche Anrede, brauchst du gar nicht weiterzusuchen. Im Zweifel nie über die Mail gehen, sondern die Seite des Anbieters selbst aufrufen und dort nachsehen.

Punkt 4 der Liste unten nennt Rechtschreibfehler als Merkmal. Das galt, als der Text entstanden ist – heute ist es der schwächste der fünf Punkte, weil solche Mails fehlerfrei geschrieben werden. Die anderen vier sind davon nicht betroffen: Sie beschreiben nicht, wie eine Mail aussieht, sondern woher sie kommt und wohin sie führt. Mehr dazu →

Wer kennt es nicht? Sobald man sich eine E-Mail-Adresse registriert und einrichtet, dauert es nicht lange, bis das erste merkwürdig aussehende E-Mail im Postfach landet. Doch einmal falsch geklickt und schon sind die Daten gestohlen, Kosten verursacht oder sogar Daten zerstört. Das geht heutzutage mit einem Phishing-Mail schneller als man denkt. Während allerdings der typische Ratschlag ist „Man darf nicht auf alles klicken“ oder „Man muss schon genau schauen, was man klickt“, werden trotzdem unzählige Benutzer mit ihren Problemen und ihrer Unwissenheit alleine gelassen. Das hat allerdings jetzt ein Ende.

Denn in dieser Anleitung erkläre ich, wie man jedes Phishing-Mail und jedes Spam-Mail garantiert erkennt und in den Papierkorb verschiebt. Die Anleitung basiert dabei auf echten Phishing-Mails und echten Spam-Mails. Also viel Spaß beim Lernen und späteren Anwenden.

Was ist ein Spam-Mail?

Bevor wir uns an die Anleitung machen, möchte ich doch gerne sicherstellen, dass wir alle vom gleichen reden. Aus diesem Grund erläutere ich ganz kurz, was eigentlich ein Spam-Mail ist.

Ein Spam-Mail ist (eine eher harmlose) E-Mail, die nicht an einen oder zwei Benutzer gesendet wird, sondern an hunderte oder sogar tausende. Sie hat lediglich die Aufgabe Werbung zu vermitteln oder Datenmüll zu erzeugen. Beides ist in diesem Sinn eher als wertlos einzustufen und sollte gar nicht erst in deinem Postfach auftauchen. Denn ein oder zwei Spam-Mails pro Tag mögen noch ganz lustig sein. Doch stell dir vor, du bekommst mehr als 100 am Tag. Wie willst du dann erkennen, ob sich darunter nicht eine wichtige E-Mail befindet?

Was ist ein Phishing-Mail?

Phishing-Mails sind ein ganz anderes Kaliber. Diese Art von E-Mails sind als gefährlich einzustufen. Sie haben nur den Zweck dich in die Irre zu führen und deine Daten zu stehlen oder zu zerstören. Der Unterschied zu Spam-Mails ist, dass Phishing-Mails keine Werbung versenden, sondern Aufforderungen dich irgendwo einzuloggen, irgend etwas zu prüfen oder irgend etwas zu bezahlen. Dahinter steckt aber nicht das Unternehmen, dass dir in der E-Mail vorgegaukelt wird, sondern ein Betrüger. Das Problem dabei ist, dass meist nur ein einziger Klick genügt, um deinen PC zu infizieren, deine Daten zu stehlen oder eben etwas anderes Böswilliges mit deinen Daten zu machen.

5 Punkte um jedes Phishing-Mail zu erkennen

Der unten ersichtliche Screenshot einer E-Mail ist von einem echten Phishing-Mail. Hier wurde der Absender „Amazon“ kopiert und versucht meine Daten zu stehlen, in dem ich mich irgendwo einlogge. Woran erkennt man nun, dass es sich NICHT um ein E-Mail von Amazon handelt? Hier einige Auffälligkeiten:

Dieses E-Mail von Amazon ist gar nicht vom Amazon, sondern soll mich dazu veranlassen meine Daten zu prüfen.
Dieses E-Mail von Amazon ist gar nicht vom Amazon, sondern soll mich dazu veranlassen meine Daten zu prüfen.

#1 Es sieht aus wie echt – aber nur fast

Der Absender der E-Mail lautet „Kundenservice-AmazonPrime-DE „. Amazon ist ein Millionenschweres Unternehmen und kann sich definitiv eigene Domains wie „amazon.com“, „amazon.de“ oder „amazon.at“ leisten. Hier lautet die Domain aber „pushthetraffic.com“. Diese gehört nicht zu Amazon – also Vorsicht!

dokumentenmeister Phishing Mail Amazon Absender

#2 Du wirst nie persönlich angesprochen

Zugegeben, bei diesem Tipp muss man schon etwas aufpassen – vor allem da bereits viele Kundendaten mit E-Mail-Adresse und Namen gestohlen wurden. Doch gut zu wissen: In Phishing-Mails wirst du nie persönlich mit deinem Namen angesprochen. Amazon und andere Unternehmen kennen deinen Namen und dieser wird immer in den jeweiligen E-Mails in der Begrüßung verankert.

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#3 Es ist immer etwas dringend und soll Kosten vermeiden

Ich mag keine unerwarteten Kosten. Du sicher auch nicht. Das wissen die Betrüger, weshalb Phishing-Mails immer etwas beinhaltet, was scheinbare Kosten vermeiden soll. Man soll eine Rechnung prüfen, ein Paket umleiten oder eine Gutschrift bestätigen. Tut man das nicht, dann geht angeblich etwas verloren – was man aber sowieso nicht hat oder verlieren kann. In diesem Fall hatte ich tatsächlich ein Prime-Konto gekündigt… ich war also kurz davon überzeugt, es wäre ein Amazon E-Mail. Doch dann kam Punkt #4 zum Vorschein:

#4 Widersprüche und Rechtschreibfehler

Phishing-Mails haben die Angewohnheit, dass sie sich im Inhalt widersprechen und das sogar oft mit Rechtschreibfehler (wobei die Betrüger hier bereits besser werden). Doch sehen wir uns den Inhalt doch mal an:

Wortlaut der Phishing-MailDeine Prime-Mitgliedschaft verlängert sich am 27. Juli 2024. Wir haben jedoch festgestellt, dass deine Standardzahlungsart für deine Mitgliedschaft vor deinem Verlängerungsdatum abläuft in Höhe von 6,99 EUR.

Mein angebliches Prime-Mitgliedschafts-Abo soll sich also am 27. Juli (also in 25 Tagen!) verlängern. Gut gut…

Wortlaut der Phishing-MailWenn Sie das Verifizierungsverfahren nicht innerhalb von 48 Stunden abschließen, wird Ihr Konto endgültig geschlossen und Ihnen wird eine Schließungsgebühr von 19,99 EUR in Rechnung gestellt.

Warum soll ich dann aber so dringend das Verifizierungsverfahren in 48h abschließen? Zudem berechnet Amazon keine Schließungsgebühren von Konten. Also immer aufmerksam und in Ruhe lesen!

#5 Die URLs sind immer sehr suspekt

Wenn du eine Website in deinem Browser aufmachst, dann verwendets du dafür in der Regel eine URL die du mit dem Unternehmen in Verbindung bringst, wie z.B. bei Amazon ist das www.amazon.com, www.amazon.de oder www.amazon.at – Nur so kannst du sicherstellen, dass du dich immer auf der Unternehmenswebsite des richtigen Unternehmens befindest.

Bei dieser E-Mail sieht das ganz anders aus… wenn du beispielsweise nur mit der Maus auf einen Button drüber fährst (Nicht anklicken!), dann siehst du unten in deinem E-Mail Programm in der Regel, wohin dich dieser Button weiterleitet:

Das Ziel hinter dem Linkhttp://url7138.pushthetraffic.tld/ls/click?upn=u001.His77WMbfwttdbCpUzm-2FRaID1nACpmRMvPm-2F0ZrzThAEApxOYpf0yhQUclierQ2FUrXJqYn0rJpJnueTo30y3CjxMJJubsCAIhrIjGl-2FcXo-3DEkIJ_K-2BiaJ-2FWeulbtkUG81ZlyotNA2Z1Bzmq8Ttg5iBu-2Fhl7TCPiZ-2BRCnBSYdssi64ygEfV1R2-2FG1kni33vuTmyFapKBoIUgpLeOdGQRRujsIzCmX0M8wkCHvVRk0JQj1gOvA-2FWpHTQD3vz-2BnUxlS9Q7lnQ7kMlqOxecBn2yZe1z1noe256HsSaL9YJYzBpr3poRfMgrFkU5oEdtdRZam8oZtrIbIpIPoLxoVnJ3fvn3nB4s-3D

Bei diesem Link gibt es bereits mehrere Auffälligkeiten:

  • Der Link beginnt mit http:// anstatt mit https:// – Letzteres sorgt für eine verschlüsselte Verbindung und wird von seriösen Unternehmen immer verwendet.
  • Die URL startet mit url7138.pushthetraffic.tld oder ähnlichem, anstatt mit www.amazon.com oder vergleichbarem
  • Jeder Button und jeder Link in dem E-Mail geht auf die gleiche URL – allerdings verwenden Unternehmen unterschiedliche URLs um Kunden zu den korrekten Unterseiten ihrer Webpräsenz zu leiten.

Beispiel 2: Comdirect PhotoTAN-App aktivieren

Basierend auf den oben genannten Punkten, kann man nun jedes Phishing-Mail erfolgreich enttarnen. Selbstverständlich habe ich dazu ein weiteres originales Phishing-Mail. Lass uns doch mal sehen, wie viele Punkte für dieses Mail zutreffen:

Ein angebliches E-Mail vom comdirect, dass um eine Verifizierung einer PhotoTAN-App bittet
Ein angebliches E-Mail vom comdirect, dass um eine Verifizierung einer PhotoTAN-App bittet
  • Punkt 1 „Wer ist der Absender?“: Comdirect ist eine Bank, die unter anderem via www.comdirect.de online vertreten ist. Der Absender in dieser E-Mail lautet jedoch „Comdirect.de “ – weit entfernt von einer seriösen E-Mail-Adresse.
  • Punkt 2 „Kennt dich der Absender?“: Wie erwähnt fehlt bei Spam-Mails und Phishing-Mails meist jeder Art von Persönlichkeit oder Ansprache. Auch hier wird man lediglich mit „Sehr geehrter Kunde“ begrüßt. Die Alarmglocken sollten bereits klingeln.
  • Punkt 3 „Ist etwas dringend? Sind Kosten zu vermeiden?“: Das Stichwort „Sicherheit“ wird gerne als Verkaufsfaktor in allen möglichen Bereichen verwendet. Auch Phishing-Mails machen davor nicht halt. In diesem Fall muss man zur Erhöhung der Sicherheit eine App aktivieren.
  • Punkt 4 „Widersprüche und Rechtschreibfehler“: Mittlerweile ist dieser Punkt kaum noch relevant. Wie in diesem E-Mail ersichtlich klingt alles ganz plausibel, oder nicht? Was allerdings sehr auffällig ist, ist das fehlende Impressum bzw. Kontaktdaten. Diese sind rechtlich verpflichtend bei Unternehmen. Eine Bank wird sich diesen Fehler kaum leisten können.
  • Punkt 5 „Suspekte URLs“: Das beste Indiz um ein Phishing-Mail zu enttarnen, sind nach wie vor die URLs von Buttons und Links. Wie erwähnt lautet die offizielle Website von Comdirekt www.comdirect.de – in diesem E-Mail leiten allerdings alle URLs auf http://429d7659.integratedcollision.tld/?id=429d7659 weiter.

Wie du siehst… das E-Mail hat 4 von 5 Punkten erreicht. Somit kannst du dieses E-Mail ohne Bedenken in den Papierkorb verschieben.

Was kann ich mit einem Phishing-Mail machen?

Wenn du ein ganz offensichtliches Phishing-Mail erhalten hast, dann gibt es einige Schritte, die du auf keinen Fall tun solltest und einige Schritte die du zusätzlich machen kannst.

Schritte die du auf keinen Fall mit einem Phishing-Mail tun solltest:

  1. Klicke keine Buttons, Links oder URLs an!
  2. Vertraue auf keinem Fall dem Inhalt – dieser ist falsch und soll dich in die Irre führen!
  3. Leite das E-Mail nicht an andere Personen weiter, um nachzufragen ob das E-Mail korrekt ist.

Schritte die du auf jeden Fall mit einem Phishing-Mail tun solltest:

  • Lösche das E-Mail aus deinem Posteingang

Schritte die du zusätzlich mit einem Phishing-Mail tun kannst:

  • Melde das E-Mail als Spam und warne andere Benutzer davor

Wie melde ich ein Phishing-Mail?

Du kannst zur Sicherheit im Internet mit wenigen Klicks beitragen und ein Phishing-Mail als Betrugsversuch melden. Das hat den Sinn, dass die Software-Hersteller für Virenschutz und Sicherheitssoftware, die URL analysieren und gegebenenfalls in ihre Blocklisten aufnehmen. Benutzer die dann diese Software nutzen, profitieren insofern davon, dass der Aufruf solcher URLs im Browser oder durch E-Mail-Programme sofort geblockt wird. Die Phishing-Mail ist also nutzlos geworden.

Um unter dem E-Mail Client Thunderbird ein Phishing-Mail zu melden sind nur wenige Schritte notwendig:

  1. Klicke mit der rechten Maustaste auf ein Bild oder Button in dem E-Mail
  2. Wähle nun den Eintrag „Betrugsversuch melden…“ – Keine Sorge, es werden keine Daten von dir erhoben!
  3. Im nächsten Fenster siehst du eine Website von Google, die deine Meldung entgegennimmt
  4. Fülle die Felder aus und klicke auf „Bericht senden“. Das wars.
dokumentenmeister Phishing Mail Betrugsversuch melden
dokumentenmeister Phishing Mail Onlinemeldung

Übrigens: Eine Falschmeldung hat keine Konsequenzen. Alle Meldungen werden geprüft und gegebenenfalls verworfen. Nutze also die Gelegenheit und melde eine verdächtige E-Mail. Phishing gehört seit Jahren zu den häufigsten Formen der Internetkriminalität, und der Schaden geht jährlich in die Millionen. Und ja, auch du kannst mit nur einem Klick das Internet sicherer machen.

Wo du es offiziell melden kannst

Die Meldung über das E-Mail-Programm oben landet bei den Herstellern von Schutzsoftware. Daneben gibt es amtliche und unabhängige Stellen – die sind vor allem dann wichtig, wenn schon etwas passiert ist.

Melden und Hilfe holen
  • watchlist-internet.at Österreich. Unabhängige Meldestelle für Internetbetrug, sammelt aktuelle Maschen und warnt öffentlich davor.
  • Phishing-Radar der Verbraucherzentrale Deutschland. Nimmt verdächtige Mails entgegen und veröffentlicht laufend, welche Maschen gerade unterwegs sind.
  • 059 133 · Polizei Österreich Für die Anzeige, wenn Zugangsdaten abgeflossen sind oder Geld bewegt wurde. Geht auch persönlich bei jeder Dienststelle.
  • Deine Bank · direkt anrufen Bei Bankdaten oder einer ausgeführten Überweisung sofort, nicht per Mail. Die Nummer steht auf deiner Karte – nie die aus der verdächtigen Nachricht verwenden.

Hast du auf einen Link geklickt und Daten eingegeben: zuerst das Passwort ändern, dann überall dort, wo du dasselbe Passwort verwendet hast. Danach melden.

Die anderen zwei Maschen

RK

Ronny Kühn

Ausgebildeter Trainer in der Erwachsenenbildung · Graz

Die Beispiele auf dieser Seite sind echte Mails aus meinem eigenen Postfach. Wenn dir eine begegnet, die hier fehlt – oder bei der du unsicher bist: Schick sie mir, ich schaue kurz drauf.

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